Und nun?
Derzeit bestimmen nervöse Märkte und Sektor Rotation das Bild, das sich dem Anleger präsentiert. Gleichzeitig gibt es medial gestreute Verlockungen, die eher zum Desaster als zum Zaster führen, en masse. Wie man die zum Teil identifizieren kann, dazu mehr am Ende des Artikels.
Das fragen sich derzeit viele Anleger. Empfehlungen sind hier immer nur individuell möglich. Aber man kann, bestenfalls mit einem Berater, die Situation analysieren und daraus die entsprechenden Schlüsse ziehen.
Wieviel Zeit hat mein Geld?
Wie bin ich investiert?
Habe ich „Klumpen“ in meinen Anlagen?
Habe ich vor zeitnah größere Investitionen (Haus, Wohnung, Auto etc.) zu kaufen?
Aktuelle Situation an den Märkten: Viele Indizes sind im Bereich ihrer Allzeithochs. In den letzten beiden Jahren fand eine extreme Sektor Rotation statt. Software hoch, Software wieder runter, Speicher und Chiphersteller erleben gerade eine Achterbahn sondergleichen.
Ich bin bei den ganzen Highflyern am Tech-Markt raus. Und nicht deshalb, weil ich die Technologie nicht verstehe oder davon nichts halte. Ganz im Gegenteil, ich glaube, dass die Hyperscaler, KI-Riesen und auch Unternehmen wie SpaceX unsere Zukunft verändern werden. Aber hier geht es um Geldanlagen. Und unter diesem Aspekt sind sie zum Teil gnadenlos überbewertet. Dazu kommt die extreme Volatilität bei den Unternehmen selbst und in ihrem Umfeld. Meta zum Beispiel brach nach der Zinsentscheidung der Fed am Mittwoch rund 10% ein. Da wurden fast 60 Mrd. USD an Börsenwert vernichtet. Nur bei Meta. Das ist mehr als der derzeitige Wert des gesamten Bayer Konzerns, der weltweit knapp 90.000 Beschäftigte zählt und aktuell einen Börsenwert von rund 50 Mrd. hat. Wer auf dieser Wiese spielen will, sollte also wissen, was er tut.
In Gesprächen merke ich häufig, dass Anleger nicht unterscheiden, was es für riesige Möglichkeiten zukünftig geben kann und wie das die Märkte aktuell bewerten. Und genau da liegt die Crux. Zum Superthema KI, Anthropic und Open AI melden in kurzen Abständen, dass sich KI verselbstständigt hat. Faszinierend und beängstigend zugleich. Wir stehen hier am Anfang und alle Glaskugeln sind ob der eventuellen Risiken und deren Einflüsse auf die Märkte derzeit sehr milchig. Langfristige Anlage bedeutet für mich nach wie vor, Sparpläne, auch aus Vermögen heraus, in ein gut diversifiziertes Portfolio aus qualitativ hochwertigen, aktiv gemanagten Investmentfonds. Hier sind die Investmentideen für mich nachvollziehbar und die Bewertungen durchaus günstig. Auch hier kann man nicht mit der Gießkanne drüber gehen, aber um die richtigen Produkte für die eigene Strategie zu finden, gibt es Berater.
Prof. Dr. Hartmut Walz veröffentlichte vor fast 10 Jahren einen Artikel zum Thema Finanzpornografie. Ein Thema, das durch immer mehr mediale Möglichkeiten nach wie vor sehr weit oben auf der Liste der Themen steht, denen Anleger ausweichen sollten. Was versteht man unter Finanz oder Investmentpornografie? Jegliche Form reißerischer Renditeversprechen, teilweise mit komplexen Anlagen, deren Umsetzung maximal zu kurzen Hochgefühlen, im Ergebnis eher zu lang anhaltender Depression führt. Das beste, der größte, das sicherste, das einzige etc. sind Adjektive, die in der seriösen Geldanlage keinen Platz haben. Somit sollten solche Termini für jeden Anleger als schrillende Alarmglocke gelten, diese Form der Anlage zu meiden.